Fr., 29. März
20.00 Uhr
Eintritt:
20,- /erm. 15,- Euro
Freie Platzwahl!


 

 

PIET KLOCKE: "Der Ärztewitz im Postanalogen"
- Musikhysterie und Gedankenpauschale

- Unter diesem Titel liest, spricht und musiziert Piet Klocke über Dinge, die sich ihm fliehend anbieten. Worte kommen zögerlich, Musik begeistert ihn hormonell-überschätzt. Bezüge sind nicht geplant, werden aber gern einbezogen. Ein Überraschungspaket also, auf das der Meister selbst gespannt sein darf. Der Abend gestaltet sich frei nach Hugo Ball: "Blödsinn ist, wenn das Kind keinen Kopf hat. Blödsinn ist aller Jammer der Welt. Blödsinn ist die Enttäuschung der Seele, die Quintessenz der Melancholie. Blödsinn ist überhaupt ein Blödsinn". Na dann los, kommet zuhauf!

Wandergitarrist Piet Klocke wlancholisiert sich durch Raum und Tal und übermannt seine Gefühle durch strafende Blicke. Mit seiner geradezu unverkäuflichen Buchveröffentlichung „Wlancholische Rhapsodie – die Notizen des Arzak“ untermauerte er die nach ihm benannte „Verträumte Anarchie“, eine zweifelhafte, sich rücksichtsloser Assoziation widmende Kunstform, die gipfelte in der Gründung seiner Stiftung „Waltraud fährt mit bloßer Hand die Baumwipfel ab und verzweifelt gekonnt am heißen Herzen“. Piet Klocke, körperlich eine Valentin-Kopie, Bayrischer Kabarettpreisträger, nominiert für den „Rolf-Hans-Müller-Preis“ der Filmmusik am Beispiel der Produktion „Wer hat Angst vor Rot-Gelb-Blau“ (ZDF), Komödiant und Catherine-Frot-Fan gesteht mit Martin Walser: „Wir leben von Zustimmung“.

Gern schlüpft Klocke in die Rolle eines verschrobenen und verklemmten Wissenschaftlers, der vom Reichtum seiner (vermeintlich unfreiwillig komischen) Wortspiele und Gedanken ebenso erfüllt, wie von der Situation überfordert ist. Charakteristisch für seine Auftritte sind in höchster Aufregung und durch Gesten unterstützte Satzfragmente und philosophische Weisheiten („Das Schicksal will auch seinen Spaß”). Wie der 1,93 Meter lange, hagere Mann im schrillen Karo-Jackett es schafft, den physikalisch eigentlich unmöglichen Flug einer kleinen, moppeligen Hummel lebensecht zu demonstrieren, ist komödiantische Extraklasse – eben echt Piet Klocke!

Piet Klocke zeigt dem Publikum mit Bravour, was man mit ein paar roten Haaren, hagerer Gestalt und einer unmodischen, kreisrunden Brille erreichen kann – Comedy der Extraklasse! Klocke bietet eine Mischung aus ausgeprägtem Mutterwitz und der herzlich direkten, sich selbst aber immer gern überfordernden Sprache des Ruhrgebiets. Endlose Ketten von Assoziationen, Ideen und Geschichten machen es seinen Figuren nicht immer leicht, die begonnenen Sätze zu Ende zu bringen – zur Freude aller Comedy-Fans. Als Vollzeit-Chaot und Berufs-Wahnsinniger sorgt Piet Klocke allerorts für Lachmuskelkater und Tränen in den Augen. Darüber hinaus ist der rote Wirbelwind ein begnadeter Musiker, der bereits seit frühen Tagen Jazz-Gitarre spielt. Sein Reichtum an kreativen Ideen macht Piet zu einem Publikumsmagneten, der immer mehr Fans in seine Bühnenvorstellungen lockt.

Seit Jahren führt dieser Mann einen verzweifelten Kampf - einen Kampf gegen die Sprache, die ihn einfach nicht zum Punkt kommen lässt. Piet Klocke hat die Figur des zerstreuten Professors, der seine Sätze nie zu Ende bringt, zum Markenzeichen gemacht. Und perfektioniert: Die oft willkürlich anmutenden Aneinanderreihungen von Halbsätzen des Kabarettisten stecken voller skurriler Einfälle und Komik. Kein Wunder, dass das beim Publikum ankommt.

Klocke redet über alles, über die Natur ("Der Haubentaucher heißt so, weil er sich vor dem Tauchen eine Haube aufsetzt. Und das nicht nur aus hygienischen Gründen"), historische Ereignisse ("Die Kreuzritter zogen nach Süden, um sich dafür zu bedanken, dass man ein paar Jahre auf ihre Ländereien aufgepasst hat") und die großen Fragen des Lebens ("Wie viele bin ich, und warum bin ich nicht dabei?"). Einfache Sätze brauchen fünf Minuten, denn ständig tauchen neue Assoziationen auf.

Das Abschweifen wird zum Stilmittel. Danach kann man kaum sagen, worüber er eigentlich geredet hat, hat sich aber köstlich amüsiert. Dabei ist sein Auftritt nicht nur Unterhaltung. Im Gewirr der Halbsätze finden sich sehr kluge Gedanken. Anderes dagegen ist so sinnfrei, dass es an Dada erinnert. Es ist sein Anarchismus, der den Reiz des Programms ausmacht.“ (Mannheimer Morgen)

Normalerweise ist Piet Klocke eine Zumutung – zumindest für Angehörige der Logopäden-Zunft, die ihn wahrscheinlich liebend gerne unter ihre Fittiche nehmen würden, doch bald an seiner Pflege des berüchtigten Anakoluths zugrunde gingen: Denn eigentlich bringt der Mann keinen Satz zu Ende. Er knüpft gedanklich da an, wo es partout nicht passen möchte und verbindet die Trümmer seines Vortrags zu einem kafkaesken Sprachkunstwerk, das sich im Nirgendwo zu verlieren droht, um dort auf andere Versprengte des implodierten Satzbaus zu treffen.“ (Rhein-Main-Presse)

www.pietklocke.de